Schwimmen mit gutem Gewissen

21. Februar 2019
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Schwimmbäder gelten aufgrund der hohen Betriebskosten häufig als große Belastung für öffentliche Haushalte. Doch es geht auch anders: Schwimmbäder im äußerst energieeffizienten Passivhaus-Standard können Kommunen langfristig deutlich entlasten. Das belegen die beiden Passivhaus-Hallenbäder in Bamberg und Lünen, bei deren Umsetzung das Passivhaus Institut beratend zur Seite stand.

 

Das Pas­siv­haus In­sti­tut hat die Pi­lot­pro­jek­te aus­ge­wer­tet und Emp­feh­lun­gen da­zu nun in ei­nem kos­ten­lo­sen Leit­fa­den zur Pla­nung von ener­gie­ef­fi­zi­en­ten Bä­dern ver­öf­fent­licht. Auch für einen op­ti­mier­ten Be­trieb be­reits be­ste­hen­der Bä­der ist der Leit­fa­den nütz­lich.

Ho­he Raum­tem­pe­ra­tu­ren
Schwimm­bä­der sind ein gern ge­nutz­tes An­ge­bot. Für die Kom­mu­nen sind sie je­doch häu­fig ei­ne fi­nan­zi­el­le Be­las­tung, da sie jähr­lich mit ho­hen Be­triebs­kos­ten zu Bu­che ­schla­gen: Hal­len­bä­der ha­ben das gan­ze Jahr über ho­he Raum­tem­pe­ra­tu­ren von rund 32 Grad und be­nö­ti­gen da­her für die Be­hei­zung und zu­sätz­lich für die Be­reit­stel­lung von war­men Was­ser viel Ener­gie. Hin­zu kommt der ho­he Strom­ver­brauch für die ge­sam­te Tech­nik. „Ge­ra­de in ­Hal­len­bä­dern lässt sich da­her mit ei­ner gu­ten Ge­bäu­dehül­le und ei­ner Lüf­tungs­an­la­ge mit ef­fi­zi­en­ter Wär­me­rück­ge­win­nung der Ener­gie­ver­brauch deut­lich sen­ken“, er­klärt Søren Pe­per vom Pas­siv­haus In­sti­tut in Darm­stadt.

 

Hilf­rei­cher Leit­fa­den
Dass das gut funk­tio­niert, be­wei­sen die bei­den ers­ten Hal­len­bä­de­r im Pas­siv­haus-Stan­dard: das Frei­zeit­bad Bam­ba­dos im baye­ri­schen Bam­berg so­wie das Lip­pe-Bad im west­fä­li­schen Lü­nen. Bei­de Bä­der öff­ne­ten im Jahr 2011. Esther Goll­wit­zer, Jes­si­ca Gro­ve-Smith und Søren Pe­per vom Pas­siv­haus In­sti­tut be­glei­ten die Pro­jek­te seit der Pla­nungs­pha­se. Mit dem nun ver­öf­fent­lich­ten Leit­fa­den un­ter­stützt das Pas­siv­haus In­sti­tut die Pla­nung und den Bau von Hal­len­bä­dern im Pas­si­vaus-Stan­dard. Auch be­reits be­ste­hen­de ­Bä­der kön­nen von dem Leit­fa­den pro­fi­tie­ren.

Pi­lot­pro­jek­te be­ra­ten
Esther Goll­wit­zer vom Pas­siv­haus In­sti­tut: „Mit dem ak­tu­el­len For­schungs­be­richt und dem da­zu­ge­hö­ri­gen Leit­fa­den wird das bis­he­ri­ge Wis­sen­auf­ge­ar­bei­tet, da­mit es in zu­künf­ti­gen Pro­jek­ten noch ziel­ge­rich­te­ter an­ge­wen­det wer­den kann. Mit den bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen las­sen sich noch wei­te­re Ein­spar­po­ten­tia­le er­schlie­ßen.“Die For­schungs­ar­bei­ten wur­den von der­ Deut­schen Bun­des­s­tif­tung Um­welt (DBU) ge­för­dert. Mit Un­ter­stüt­zung der DBU sind zu­dem zwei Se­mi­na­re zum Pas­siv­haus-Kon­zept bei Hal­len­bä­dern ge­plant: am 28.Ok­to­ber 2019 in Han­no­ver, am 6. No­vem­ber 2019 in Nürn­berg. DBU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Alex­an­der Bon­de be­tont, dass der in den Se­mi­na­ren vor­ge­stell­te Pla­nungs­lei­t­fa­den den Bau wei­te­rer ­Hal­len­bä­der be­för­dern kön­ne. Zu­dem ent­hal­te die­ser in der Pra­xis gut hand­hab­ba­re Hin­wei­se zur Be­triebs­über­wa­chung und Be­trieb­s­op­ti­mie­rung.

 

Das Pas­siv­haus-Kon­zept bei Hal­len­bä­dern spart deut­lich Ener­gie ein. Ei­ni­ge Bei­spie­le:

  • Grund­la­ge für ho­he Ener­gie­ein­spa­run­gen im Pas­siv­haus-Hal­len­bad sind ei­ne ther­misch hoch­wer­ti­ge Hül­le so­wie ei­ne Lüf­tungs­an­la­ge mit Wär­me­rück­ge­win­nung. In kon­ven­tio­nel­len Bä­dern wird üb­li­cher­wei­se die Ver­gla­sung mit Um­luft an­ge­bla­sen, um Kon­dens­was­ser an den Schei­ben zu ver­mei­den. Das ist in ei­nem Pas­siv­haus-Hal­len­bad nicht mehr nö­tig. Da­durch wird in­großem Um­fang Strom ein­ge­spart (Ab­bil­dun­gen rechts).
     
  • Um den Ener­gie­be­darf­für die Be­cken be­reits wäh­rend der Pla­nungs­pha­se zu op­ti­mie­ren, ent­wi­ckel­te das Pas­siv­haus In­sti­tut ei­ne Be­rech­nung zur Ener­gie­bi­lanz von Schwimm­be­cken.
     
  • Für den Leit­fa­den ana­ly­sier­te das Pas­siv­haus In­sti­tut Be­rei­che der Ge­bäu­de­tech­nik hin­sicht­lich ih­rer Wirt­schaft­lich­keit. Für das Lip­pe-Bad ist es be­son­ders loh­nens­wert, das Ab­was­ser auf­zu­be­rei­ten, das beim Spü­len der Fil­ter ent­steht, so­wie die Ab­wär­me des Block­heiz­kraft­wer­kes zu nut­zen. Ge­ne­rell wer­den was­ser­spa­ren­de Dusch­köp­fe so­wie ei­ne Re­du­zie­rung der Druck­ver­lus­te im Rohr­lei­tungs­netz emp­foh­len.
     
  • In­be­trieb­nah­me und Be­trieb­s­op­ti­mie­rung ha­ben einen er­heb­li­chen Ein­fluss auf den Ener­gie­ver­brauch. Im Frei­zeit­bad Bam­ba­dos re­du­zier­te ei­ne ge­än­der­te Re­ge­lung der Lüf­tungs­an­la­gen de­ren Strom­ver­brauch um rund 60 Pro­zent.
     

Ana­ly­se der Ener­gie­ver­bräu­che
Be­reits 2009 un­ter­such­te das Pas­siv­haus In­sti­tut (PHI) in ei­ner Grund­la­gen­stu­die, un­ter wel­chen bau­phy­si­ka­li­schen und tech-ni­schen Be­din­gun­gen das Pas­siv­haus-Kon­zept in öf­fent­li­chen Hal­len­bä­dern um­ge­setzt wer­den kann. Zu­sätz­lich ver­öf­fent­lich­te das PHI nach ei­nem mehr­jäh­ri­gen Mo­ni­to­ring zu bei­den Bä­dern2013 und 2015 de­tail­lier­te For­schungs­be­rich­te. Die­se Be­rich­te wid­men sich auch der Be­trieb­s­op­ti­mie­rung der Pas­siv­haus-Hal­len­bä­der. Die Ana­ly­se der Ener­gie­ver­brauchs­wer­te geht in den nun ver­öf­fent­lich­ten Leit­fa­den ein und er­mög­licht­kon­kre­te Emp­feh­lun­gen, un­ter an­de­rem für Ba­de­was­ser­tech­nik, Was­se­rat­trak­tio­nen, Du­schen etc.

 

Ho­he Be­hag­lich­keit, nied­ri­ge Ener­gie­kos­ten
„Hal­len­bä­der sind sehr tech­ni­kin­ten­siv. Ei­ne gu­te Pla­nung und ei­ne nut­zer­or­di­nier­te In­be­trieb­nah­me sor­gen da­für, dass das Hal­len­bad rund läuft. Dann kön­nen sich al­le Be­tei­lig­ten über nied­ri­ge Ener­gie­kos­ten, ho­he Be­hag­lich­keit so­wie die Lang­le­big­keit des Ge­bäu­des freu­en“, er­klärt Jes­si­ca Gro­ve-Smith vom Pas­siv­haus In­sti­tut. Die Phy­si­ke­rin berät der­zeit ein Bä­der­pro­jekt in der sü­deng­li­schen Stadt Exe­ter.

Kos­ten­lo­ser Dow­n­load von Forschungsunterlagen und Leitfäden für Passivhaus Hallenbäder

 www.pas­siv.de

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