Klimawandel verursacht jährlich bis zu 8,8 Mrd. Euro Schaden bis 2050

15. Januar 2015
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Österreichs Volkswirtschaft wird bis 2050 Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden, in Höhe von bis zu 8,8 Mrd. Euro jährlich zu verkraften haben. Das besagt die im Auftrag des Umweltministeriums und des Klima- und Energiefonds erstellte weltweit erste Studie in dieser Breite zu den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels „COIN - Cost of Inaction: Assessing the Costs of Climate Change for Austria“.

Kom­men ex­tre­me Wet­te­rer­eig­nis­se hin­zu – wie z.B. ein Jahr­hun­dert­hoch­was­ser – kön­nen die­se bis En­de des Jahr­hun­derts so­gar um wei­te­re 41 Mrd. Eu­ro al­lein im Ge­bäu­de­sek­tor an­stei­gen.

Um­welt­mi­nis­ter An­drä Rupprech­ter: „Die Be­gren­zung der Er­der­wär­mung auf ma­xi­mal 2 Grad Cel­si­us ist ei­ne Auf­ga­be, die in­ter­na­tio­na­ler und na­tio­na­ler An­stren­gun­gen be­darf. Der neue Welt­kli­ma­ver­trag, der En­de des Jah­res in Pa­ris be­schlos­sen wird, ist die not­wen­di­ge Ant­wort dar­auf. In Ös­ter­reich ver­fol­gen wir ei­ne Dop­pel­stra­te­gie. Mit ak­ti­vem Kli­ma­schutz, al­so der Ver­rin­ge­rung der Treib­h­aus­gas-Emis­sio­nen, be­kämp­fen wir die Ur­sa­chen des Kli­ma­wan­dels, mit An­pas­sungs­maß­nah­men lin­dern wir die Sym­pto­me!“.

In bei­den Be­rei­chen hat das BM­L­FUW we­sent­li­che In­itia­ti­ven ge­setzt, bei­spiels­wei­se die För­der­schie­nen der Um­welt­för­de­rung und des Kli­ma- und Ener­gie­fonds, der Sa­nie­rungs­scheck, die Kli­ma­schut­zi­ni­tia­ti­ve kli­ma:ak­tiv oder das Ak­ti­ons­pro­gramm „Hoch­was­ser­si­che­res Ös­ter­reich“.

 

Trotz­dem ent­wi­ckelt sich Ös­ter­reich der­zeit so­gar rück­wärts
Mi­nis­ter Rupprech­ter be­stä­tig­te die Fest­stel­lung von Gün­ter Lang, Lei­ter der Pas­siv­haus Aus­tria, das bei­spiels­wei­se im Ge­bäu­de­sek­tor, in dem die kos­ten­güns­tigs­ten Ener­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men zum Kli­ma­schutz mög­lich wä­ren, der­zeit in Ös­ter­reich vie­les in die ver­kehr­te Rich­tung läuft:

  • Im Re­gie­rungs­über­ein­kom­men von ÖVP und SPÖ aus 2008 war be­reits fest­ge­hal­ten, dass ab 2015 in Ös­ter­reich Pas­siv­haus Min­dest­stan­dard sein wird
     
  • Tat­säch­lich be­straft die OÖ. Wohn­bau­för­de­rung seit 1.1.2015 je­den mit dem To­tal­ver­lust der WBF, wenn er bes­ser als der schlech­tes­te Min­dest­stan­dard baut!
     
  • Tat­säch­lich hat der na­tio­na­le Plan das EU-weit ab 2021 ver­pflich­ten­de "Ne­ar­ly Ze­ro Ener­gy Buil­ding" für Ös­ter­reich mit dem zwei­ein­halb fa­chen Ener­gie­ver­brauch fest­ge­legt, als das Pas­siv­haus er­füllt
     
  • Tat­sa­che ist, dass dem ent­ge­gen die Stadt Brüs­sel seit 1.1.2015 in der Bau­ord­nung für sämt­li­che Neu­bau­ten den Pas­siv­haus-Stan­dard vor­ge­schrie­ben hat. Und in der um­fas­sen­den Sa­nie­rung einen max. HWB von 18 kWh/m²a so­gar vor­gibt. Lu­xem­burg wird dies ab 2017 um­set­zen. Dä­ne­mark und vie­le an­de­re EU Län­der fol­gen dem.
     
  • Es ist al­so im Ge­bäu­de­sek­tor pro­blem­los und kos­ten­güns­tig mög­lich, es be­darf nur des po­li­ti­schen Wil­lens. Es wird al­so an al­len Be­tei­lig­ten lie­gen, hier Ös­ter­reich doch wie­der an die füh­ren­de Kli­ma­schutz­na­ti­on her­an zu füh­ren
     

Ho­he Kos­ten un­ter­strei­chen Hand­lungs­be­darf
Kli­ma- und Ener­gie­fonds Ge­schäfts­füh­rer Ing­mar Hö­barth: „Ös­ter­reich ist als al­pi­ne Re­gi­on be­son­ders stark vom Kli­ma­wan­del be­trof­fen. Das wird be­reits im Kli­ma­be­richt deut­lich. COIN gibt die­sen Er­kennt­nis­sen zu­sätz­li­che Bri­sanz. Die Stu­die be­zif­fert erst­mals die Fol­ge­kos­ten des Kli­ma­wan­dels für Ös­ter­reich.“
Von den Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels sind prak­tisch al­le Be­rei­che be­trof­fen, be­son­ders die mensch­li­che Ge­sund­heit, Ener­gie­wirt­schaft, Forst- und Land­wirt­schaft, Tou­ris­mus, aber auch Ver­kehrs­in­fra­struk­tur und Ge­bäu­de.

Die Sze­na­ri­en wur­den un­ter der An­nah­me be­rech­net, dass die glo­ba­le Er­wär­mung 2050 die 2-Grad-Gren­ze nicht über­schrei­tet. „Das un­ter­stellt ge­rin­ge­re Emis­sio­nen, als der Pfad, auf dem wir uns glo­bal der­zeit be­fin­den. Soll­ten wir kei­ne stär­ke­re Emis­si­ons­re­duk­ti­on schaf­fen, muss deut­lich nach oben kor­ri­giert wer­den“, er­läu­tert Karl Stei­ni­ger, der die Stu­die fe­der­füh­rend be­treut hat.

Kon­kre­te Bei­spie­le für be­son­ders be­trof­fe­ne Sek­to­ren be­nennt Stei­ni­ger: „Das kann zum einen ein Bau­ver­bot in Hoch­was­ser­zo­nen sein. Oder auch klu­ge Stadt­pla­nung, die Hitzein­seln ver­mei­det und na­tür­li­che Be­schat­tung be­güns­tigt.“ Ein Wirt­schafts­zweig wird sich in den kom­men­den Jah­ren um­stel­len müs­sen: „Win­ter­tou­ris­mus wird in vie­len La­gen Ös­ter­reichs kür­zer oder gar nicht mehr in der be­kann­ten Form statt­fin­den kön­nen. Die Be­trie­be sind gut be­ra­ten, sich schon heu­te Al­ter­na­ti­ven für Gäs­te zu über­le­gen.“

 

Über die Stu­die
COIN ist ein in­ter­dis­zi­pli­näres Pro­jekt der Uni­ver­si­tät Graz mit 42 For­sche­rIn­nen aus 18 For­schungs­grup­pen aus ganz Eu­ro­pa, das durch das Kli­ma­fol­gen­for­schungs­pro­gramm ACRP des Kli­ma- und Ener­gie­fonds mit 378.000 Eu­ro fi­nan­ziert wur­de. Un­ter­sucht wur­den zwölf Schlüs­sel­be­rei­che, die sich mit de­nen der ös­ter­rei­chi­schen Stra­te­gie zur An­pas­sung an den Kli­ma­wan­del de­cken.