Thermisch optimierte Sanierung als Antwort auf Klimawandel

26. November 2014
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Die Passivhaus Austria fordert die Bundesregierung auf bei der Klimakonferenz in Lima ebenso wie innerhalb Österreichs verbindliche Ziele zu setzen. Wenn Österreich wirklich daran interessiert ist, die Weichen für eine Energiewende zu stellen, dann müssen jetzt konsequente Maßnahmen getroffen werden.

Bun­des­weit muss die Ener­gie­ef­fi­zi­enz bis 2020 um 25%, bis 2030 um 45% und bis 2050 um 70 % ge­stei­gert wer­den, um das 2°C-Ziel zu er­rei­chen. Das ist durch­aus zu schaf­fen und wür­de gleich­zei­tig auch dau­er­haft mehr als 100.000 grü­ne Ar­beitsplät­ze pro Jahr und einen Wirt­schafts­auf­schwung be­deu­ten. Die Sen­kung des Ener­gie­be­dar­fes ist die bil­ligs­te und größ­te hei­mi­sche Ener­gie­quel­le.
 

Vom 1. bis 12. De­zem­ber 2014 wird die UN-Klimakonferenz (COP 20) in Li­ma statt­fin­den. Der Hand­lungs­be­darf ist enorm. Die Treib­h­aus­ga­se­mis­sio­nen ha­ben sich in den letz­ten 50 Jah­ren mehr als ver­drei­facht und wa­ren seit min­des­tens 800.000 Jah­ren nie so hoch wie heu­te. Bis zum Jahr 2100 wird der Mee­res­s­pie­gel um einen Me­ter oder mehr an­stei­gen mit un­ab­seh­ba­ren Fol­gen für meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Men­schen. In Ös­ter­reich hat sich die Tem­pe­ra­tur be­reits um 2°C ge­gen­über dem Jahr 1880 er­höht und wird bis 2100 auf + 5,5 °C ge­gen­über dem Jahr 1880 an­stei­gen. Um das welt­wei­te 2°C-Ziel noch er­rei­chen zu kön­nen, sind jetzt mas­si­ve An­stren­gun­gen un­ab­ding­bar, der durch­schnitt­li­che CO2 Aus­stoß muss auf 2 Ton­nen pro Per­son  re­du­ziert wer­den. Der­zeit emit­tiert je­der Ös­ter­rei­cher im Schnitt aber 10 Ton­nen CO2.

Dass die­ses Ziel trotz­dem kei­ne Uto­pie sein muss, wird am Bei­spiel der Vor­schlä­ge der Pas­siv­haus Aus­tria für ei­ne kon­se­quen­te Um­set­zung im Ge­bäu­de­sek­tor deut­lich. Al­lei­ne die Ein­füh­rung des Pas­siv­haus-Stan­dards im Neu­bau und die kon­se­quen­te ther­mi­sche Sa­nie­rung auf Ener­PHit-Stan­dard, je­weils ge­paart mit der Um­stel­lung auf Er­neu­er­ba­re Ener­gie­trä­ger, wür­de den CO2 Foot­print um 4 Ton­nen CO2 pro Per­son bis zum Jahr 2035 sen­ken.

Bei der Par­la­ments-En­que­te "Wir sind al­le Kli­ma­zeu­gen" am 25.11. be­ton­te Kli­ma­for­sche­rin Hel­ga Kromp-Kolb er­neut den drin­gen­den Hand­lungs­be­darf und die Be­deu­tung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz als die wich­tigs­te So­fort­maß­nah­me im Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del. In das glei­che Horn stieß am sel­ben Tag ein paar Häu­ser wei­ter im Rat­haus der deut­sche Vor­den­ker und lang­jäh­ri­ge SPD-Po­li­ti­ker Prof. Dr. Ernst Ul­rich von Weiz­sä­cker bei der Kon­fe­renz „Ze­ro Emis­si­on Ci­ties“. Er hob da­bei be­son­ders die be­reits heu­te exis­tie­ren­den großen öko­no­mi­schen Mög­lich­kei­ten mit der Um­set­zung des Pas­siv­haus-Stan­dards her­vor, wie z.B. der 117 Hektar große Pas­siv­haus-Stadt­teil Hei­del­berg-Bahn­stadt zeigt.

Eben­falls am 25.11. hat die im Be­sitz der Stadt be­find­li­che Inns­bru­cker Im­mo­bi­li­en GmbH & Co KG neue Richt­li­ni­en für al­le ih­re ei­ge­nen Bau­ten be­schlos­sen. „Ge­ne­rell be­ken­nen wir uns zum nach­hal­ti­gen Bau­en und Sa­nie­ren, zum Ein­satz er­neu­er­ba­rer Ener­gie­trä­ger und zu ei­ner res­sour­cen­scho­nen­den Wirt­schafts­wei­se. Das zer­ti­fi­zier­te Pas­siv­haus ist das Fun­da­ment die­ses An­sat­zes“, be­grün­det Han­nes Gstrein den Be­schluss der IIG, ab so­fort al­le ih­re Bau­ten als zer­ti­fi­zier­te Pas­siv­häu­ser zu er­rich­ten.

 

 

Ös­ter­reich braucht wie­der en­ga­gier­tes po­li­ti­sches Han­deln


Ös­ter­reich war in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren bei der Um­set­zung ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Bau­ten welt­weit füh­rend und weist die höchs­te Dich­te an Pas­siv­häu­sern auf. „Un­se­re Wirt­schaft hat durch lang­jäh­ri­ge For­schungs- und Wei­ter­bil­dungs­ak­ti­vi­tä­ten das Know-how, die ge­eig­ne­ten Pas­siv­haus-Kom­po­nen­ten und die welt­weit ge­frag­te Kom­pe­tenz“, be­tont Gün­ter Lang, Lei­ter der Pas­siv­haus Aus­tria. Und wei­ter, „dies gilt es nun fort­zu­füh­ren und die not­wen­di­gen po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen auf Bun­des- und Lan­des­ebe­nen zu schaf­fen“.

Hier die­nen die Stadt Brüs­sel und der Staat Lu­xem­burg als Vor­bil­der. Die­se le­gen höchs­te Prio­ri­tät auf Ener­gie­ef­fi­zi­enz, und ha­ben das Pas­siv­haus zu dem ab 2015 bzw. 2017 gel­ten­den Min­dest­stan­dard ge­macht. Ge­ra­de bei Stadt­ent­wick­lungs­ge­bie­ten wä­re es pro­blem­los mög­lich ab so­fort das kos­ten­güns­ti­ge Pas­siv­haus flä­chen­de­ckend um­zu­set­zen. Da­mit stie­ge in die­sen Ge­bie­ten sprung­haft der Wohn­kom­fort bei sin­ken­den Kos­ten und gleich­zei­tig wä­re kei­ne ein­zi­ge Erd­gas­lei­tung mehr er­for­der­lich.

Die Aus­zah­lun­gen von öf­fent­li­chen För­der­gel­dern im Neu­bau soll­ten eben­so ab 2015 an die Um­set­zung des kos­ten­op­ti­ma­len Pas­siv­haus-Stan­dards in ganz Ös­ter­reich ge­bun­den wer­den, da­mit Woh­nen nach­hal­tig leist­bar bleibt. So be­nö­ti­gen Neu­bau­ten auch kei­ne fos­si­len Ener­gie­trä­ger mehr.

 

 

Sa­nie­rungs­scheck - sinn­voll auf­wer­ten bringt‘s


In der ther­mi­schen Sa­nie­rung schlägt Gün­ter Lang von der Pas­siv­haus Aus­tria seit lan­gem ei­ne Über­ar­bei­tung des Sa­nie­rungs­schecks vor. Kein wei­te­res För­der­geld für frag­wür­di­ge Ein­spa­run­gen durch Ein­zel­maß­nah­men und mä­ßi­ge Sa­nie­rungs­qua­li­tä­ten als Mit­nah­me­ef­fek­te, wel­che sich dann lang­fris­tig wirt­schaft­lich kon­tra­pro­duk­tiv aus­wir­ken. Statt­des­sen soll der Sa­nie­rungs­scheck nur an ther­misch op­ti­mier­te Sa­nie­run­gen mit min­des­tens 85 Pro­zent Ener­gie­ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung oder bei Un­ter­schrei­tung des qua­li­täts­ge­si­cher­ten Ener­PHit-Stan­dards mit 25 kWh/m²a aus­be­zahlt wer­den.

Da­für kann der För­der­be­trag auf € 100,- pro Qua­drat­me­ter er­höht wer­den, was wie­der­um die At­trak­ti­vi­tät für In­ves­ti­tio­nen stei­gern wür­de. Mit ei­nem För­der­vo­lu­men von jähr­lich 500 Mil­lio­nen Eu­ro könn­ten so jähr­lich fünf Mil­lio­nen Qua­drat­me­ter Alt­bau nach­hal­tig sa­niert wer­den. Dies wür­de das De­fi­zit der ös­ter­rei­chi­schen Han­dels­bi­lanz um jähr­lich 100 Mil­lio­nen Eu­ro ent­las­ten, und gleich­zei­tig kann sich der Fi­nanz­mi­nis­ter über Steu­er­ein­nah­men von 720 Mil­lio­nen Eu­ro er­freu­en, die durch die ge­stei­ger­te ar­beits­in­ten­si­ve Alt­bau­sa­nie­rung in die lee­ren Staats­kas­sen kom­men. Für die Mie­ter, Ei­gen­tü­mer und Nut­zer liegt der Vor­teil in der deut­lich güns­ti­ge­ren Ener­gierech­nung und dem er­höh­ten Wohn- und Nut­zer­kom­fort.

Für die UN-Kli­ma­kon­fe­renz in Li­ma emp­fiehlt Lang die Um­schich­tung von Sub­ven­tio­nie­rung fos­si­ler Ener­gie­trä­gern zu För­de­rung von Ener­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men. Laut WEO World Ener­gy Out­look Re­port 2013 flie­ßen für fos­si­le Ener­gie pro Jahr För­der­gel­der von 438 Mil­li­ar­den Eu­ro welt­weit. Die Hälf­te die­ser Gel­der wür­de für einen glo­ba­len Ener­gie­ef­fi­zi­enz Mas­ter­plan aus­rei­chen, wo­mit welt­weit bin­nen 20 Jah­ren bei 44 Mil­li­ar­den Qua­drat­me­tern, dies ent­spricht rund ei­nem Drit­tel der welt­wei­ten Wohn­flä­che, der Ener­gie­ver­brauch für Hei­zen, Küh­len und Ent­feuch­ten um 85 Pro­zent ge­senkt wer­den könn­te.

In­ves­ti­tio­nen in Ener­gie­ef­fi­zi­enz sind nicht nur öko­lo­gisch wün­schens­wert, son­dern auch öko­no­misch von Be­deu­tung. In Dä­ne­mark wur­den im Rah­men des Ener­gie­ef­fi­zi­enz-Ver­pflich­tungs­sys­tems Ein­spa­run­gen bei durch­schnitt­li­chen Kos­ten von 5,6 Cent/kWh er­reicht. Auch für Ös­ter­reich be­zif­fert die E-Con­trol die nied­rigs­ten Kos­ten mit 4,64 Cent pro ein­ge­spar­te Ki­lo­watt­stun­de. Das Pas­siv­haus In­sti­tut hat jüngst erst nach­ge­wie­sen, dass z.B. die Kos­ten für zer­ti­fi­zier­te Pas­siv­haus-Fens­ter le­dig­lich 3,2 Cent/kWh be­tra­gen und da­mit wäh­rend ei­nes Le­bens­zy­klus vier­mal so viel Geld ein­spa­ren als her­kömm­li­che Fens­ter.

Lang ap­pel­liert da­her an die Bun­des­re­gie­rung und die Wirt­schafts­kam­mer, nicht selbst die in­no­va­ti­ve ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schaft aus­zu­brem­sen und den Na­tio­na­len Ener­gie­ef­fi­zi­enz-Plan zu re­vi­die­ren und end­lich Ener­gie­ef­fi­zi­enz wirk­lich in den Fo­kus zu stel­len, will sich Ös­ter­reich nicht gänz­lich in Eu­ro­pa bla­mie­ren.

Zu­letzt hat zum wie­der­hol­ten Ma­le Karl Ai­gin­ger vom WI­FO bei der Er­öff­nung der ei­ge­nen Sa­nie­rung des WI­FO-Bü­ro­ge­bäu­des auf die enor­men po­si­ti­ven volks­wirt­schaft­li­chen Aspek­te und Schaf­fung von Ar­beitsplät­zen ein­dring­lich hin­ge­wie­sen. Nun gilt es, die­sen Weg aber kon­se­quent zu be­schrei­ten. Ei­ne Sa­nie­rungs­of­fen­si­ve mit qua­li­täts­ge­si­cher­ten Ein­spa­rungs­zie­len stärkt die ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schaft, bringt Ös­ter­reich beim Kli­ma­schutz wie­der in Vor­rei­ter­po­si­ti­on und spart Ener­gie und Geld. Und au­ßer­dem darf sich der Fi­nanz­mi­nis­ter über zu­sätz­li­che Steu­er­ein­nah­men freu­en.

 

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Erste Schul Sanierung auf Passivhaus Standard Schwanenstadt

Ers­te Schul-Sa­nie­rung auf Pas­siv­haus-Stan­dard Schwa­nen­stadt

  • Schon vor 10 Jah­ren un­ter Be­weis ge­stellt.
     
  • Ener­gie­ef­fi­zi­enz stei­gern statt Gas ge­ben.
     
  • Bei Ös­ter­reichs ers­ter Schul­sa­nie­rung auf Pas­siv­haus-Stan­dard
    wur­de der Heiz­wär­me­be­darf um 89% re­du­ziert.
     
  • Statt 55.400 m³ Erd­gas braucht die Schu­le nur noch 47 m³ Pel­lets pro Jahr.
     

Quel­le: AR­GE Ers­te Pas­siv­haus Schul­sa­nie­rung + Pas­siv­haus Aus­tria

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