Passivhaus-Pioniere erhalten internationalen Nachhaltigkeitspreis

19. September 2014
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Für ihren Beitrag zur Energieeffizienz von Gebäuden haben die Pioniere des Passivhauses einen hochkarätigen Preis erhalten: In der schwedischen Universitätsstadt Lund wurden Prof. emer. Bo Adamson und Prof. Dr. Wolfgang Feist am Donnerstag dem 18.09. mit dem „Sustainable Building Award“ („Årets Framtidsbyggare“) geehrt. Vor mehr als 25 Jahren erarbeiteten die beiden Bauphysiker das Konzept eines Gebäudes, das ohne aktive Heizung auskommt.

Heu­te ist der dar­aus her­vor­ge­gan­ge­ne Pas­siv­haus-Stan­dard ei­ne zen­tra­le Grund­la­ge für ener­gie­ef­fi­zi­en­tes Bau­en in der gan­zen Welt. Über­reicht wur­de der Preis von der frü­he­ren EU-Um­welt­kom­missa­rin Mar­got Wall­ström.

Die Leitidee zum Pas­siv­haus wur­de 1988 wäh­rend ei­nes For­schungs­auf­ent­halts von Wolf­gang Feist in Lund aus­ge­ar­bei­tet – Adam­son war dort sein wis­sen­schaft­li­cher Gast­ge­ber. Mit För­de­rung durch das Land Hes­sen wur­de 1990 in Darm­stadt das ers­te Ge­bäu­de nach die­sem Prin­zip tat­säch­lich er­stellt und in den fol­gen­den Jah­ren sys­te­ma­tisch un­ter­sucht. 1996 grün­de­te Wolf­gang Feist das Pas­siv­haus In­sti­tut, das heu­te ei­ne in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­po­si­ti­on in der For­schung und Ent­wick­lung von Kon­zep­ten, Kom­po­nen­ten und Pla­nungs­werk­zeu­gen für be­son­ders ener­gie­ef­fi­zi­en­te Ge­bäu­de be­legt. Auch Bo Adam­son hat das The­ma Pas­siv­haus an der Uni­ver­si­tät Lund bis zu sei­ner Eme­ri­tie­rung wei­ter ver­folgt.

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Pas­siv­haus – weil Ener­gie­ef­fi­zi­enz Ga­rant für 100% Er­neu­er­ba­re ist
Die fünf Grund­prin­zi­pi­en des Pas­siv­hau­ses sind ei­ne be­son­ders gu­te Wär­me­däm­mung, das Ver­mei­den von Wär­me­brücken, hoch­wer­ti­ge Pas­siv­haus-Fens­ter, ei­ne luft­dich­te Ge­bäu­de-Hül­le und die Kom­fort­lüf­tung mit Wär­me­rück­ge­win­nung. Be­reits mit dem ers­ten Pi­lot­pro­jekt in Darm­stadt wur­de nach­ge­wie­sen, dass so bei kon­se­quen­ter Pla­nung ein ver­nach­läs­sig­ba­rer Hei­z­ener­gie­ver­brauch ver­bleibt – ge­gen­über her­kömm­li­chen Ge­bäu­den be­trägt die Ein­spa­rung et­wa 90 Pro­zent. In spä­te­ren For­schungs­pro­jek­ten konn­te Zug um Zug ge­zeigt wer­den, dass das Prin­zip bei prak­tisch je­der Ge­bäu­de­nut­zung, un­ab­hän­gig vom Bau­stil und auch bei je­dem Kli­ma funk­tio­niert, so­lan­ge der Heiz­wär­me- und der Kühl­käl­te­be­darf un­ter sys­te­ma­tisch vor­ge­ge­be­nen Gren­zen bleibt. Da­mit ist nicht nur bes­ter Kom­fort ga­ran­tiert, son­dern auch ei­ne wirt­schaft­li­che smar­te Ver­sor­gung mit 100 Pro­zent Er­neu­er­ba­ren Ener­gie­trä­gern mög­lich – eben dem Pas­siv­haus Plus.

 

In Lund die Wei­chen für welt­wei­te Ener­gie­wen­de ge­stellt
„Ge­ra­de an der Uni­ver­si­tät Lund einen sol­chen Preis zu be­kom­men, das ist ei­ne große Eh­re für uns“, sag­te Wolf­gang Feist. „Hier wur­den die Wei­chen da­für ge­stellt, dass welt­weit ei­ne at­trak­ti­ve, kom­for­ta­ble und auch be­zahl­ba­re Lö­sung für den Kli­ma­schutz ent­stand.“

Schon 25 Jah­re nach den ers­ten theo­re­ti­schen Über­le­gun­gen hat sich der Pas­siv­haus-Stan­dard mit meh­re­ren zehn­tau­send ge­bau­ten Pro­jek­ten in­ter­na­tio­nal eta­bliert. Er­mög­licht wur­de die­se Ent­wick­lung da­durch, dass die Mehr­kos­ten für die ver­bes­ser­te Bau­qua­li­tät im­mer wei­ter ge­sun­ken sind. An­ge­sichts der ein­ge­spar­ten Heiz­kos­ten zah­len sich sol­che In­ves­ti­tio­nen heu­te re­gel­mä­ßig nach we­ni­gen Jah­ren aus. Pas­siv­häu­ser sind da­mit nicht nur ener­gie­ef­fi­zi­ent und kom­for­ta­bel, son­dern auch be­son­ders wirt­schaft­lich. Und so­gar im kal­ten Nor­den Schwe­dens ist der Pas­siv­haus-Stan­dard nach PHPP um­setz­bar.

In ih­rer Fest­re­de wür­dig­te die frü­he­re EU-Um­welt­kom­missa­rin Mar­got Wall­ström die glo­ba­le Be­deu­tung des Pas­siv­hau­ses für den Kli­ma­schutz. So ist die für En­de Ok­to­ber in Brüs­sel ge­plan­te EU-wei­te Sen­kung der CO2-Emis­sio­nen um 40 Pro­zent bis 2030 erst durch die enor­men Ein­spa­rungs­po­ten­tia­le von 90 Pro­zent beim Pas­siv­haus-Stan­dard re­al er­ziel­bar. „Da­zu ist un­ter dem Mot­to „Yes, we do!“ in ganz Eu­ro­pa die Po­li­tik auf­ge­for­dert das seit 25 Jah­ren tech­nisch und öko­no­misch Mach­ba­re auch in brei­tem Stil nun um­zu­set­zen,“ for­dert Feist die Re­gie­run­gen zum Han­deln auf. Dass dies kei­ne Uto­pie ist, zei­gen Brüs­sel und Lu­xem­bourg vor, wo ab 2015 bzw. 2017 das Pas­siv­haus ganz selbst­ver­ständ­lich Min­dest­stan­dard ist.

In Ös­ter­reich be­klagt man der­weil die sehr er­nüch­tern­den Er­geb­nis­se des ers­ten ös­ter­rei­chi­schen Kli­ma­wan­del­be­rich­tes, wo­nach Ös­ter­reich be­reits jetzt mit ei­ner 2°C Er­wär­mung weit stär­ker als vie­le Welt­re­gio­nen vom Kli­ma­wan­del be­trof­fen ist und noch stär­ker künf­tig sein wird. Gleich­zei­tig steckt die Re­gie­rung aber Ös­ter­reich mit dem Na­tio­na­len Plan für 2020 vom ehe­ma­li­gen Vor­rei­ter in Sa­chen ener­gie­ef­fi­zi­en­tes Bau­en zu ei­nem der Schluss­lich­ter in der EU zu­rück, wenn es bei den be­schei­de­nen An­sät­zen nach die­sem Plan blei­ben soll­te. Mit ei­ner kon­se­quen­ten Um­set­zung des Pas­siv­haus-Stan­dards wie in Brüs­sel könn­te Ös­ter­reich al­lei­ne im Neu­bau­vo­lu­men 2020 ei­ne jähr­li­che zu­sätz­li­che Ein­spa­rung von 3.200 GWh an Pri­mär­ener­gie­be­darf er­zie­len. Dies ent­spricht et­wa dem 3-fa­chen Wär­me­pri­mär­ener­gie­be­darf von ganz Graz und wür­de we­sent­lich zur Un­ab­hän­gig­keit ge­gen­über den Gna­den von Gas­lie­fe­run­gen aus Russ­land bei­tra­gen. Das Schö­ne ist al­ler­dings, dass sich Je­der selbst ent­schei­den kann, un­ab­hän­gig von fos­si­len Ener­gie­trä­gern zu le­ben, ge­bau­te Bei­spie­le da­für gibt es in großer Zahl auf der gan­zen Welt. Von 7. – 9. No­vem­ber kön­nen wie­der welt­weit bei den „Ta­gen des Pas­siv­hau­ses“ sich die Men­schen sel­ber ein Bild von den ho­hen Qua­li­tä­ten des Pas­siv­haus-Stan­dards ma­chen. In­fos da­zu un­ter www.pas­siv­haus-aus­tria.org und www.passivhausprojekte.de

Der „Su­stai­na­ble Buil­ding Award“ wird von der schwe­di­schen Stif­tung SU­EB in Ko­ope­ra­ti­on mit der Uni­ver­si­tät Lund ver­ge­ben. Wolf­gang Feist und Bo Adam­son wur­den in der Ka­te­go­rie „In­no­va­to­ren“ aus­ge­zeich­net. Ei­ne Eh­rung als „Mul­ti­pli­ka­to­rin“ er­hielt Ing-Ma­rie Ode­gren, Lei­te­rin ei­ner Wohn­bau­ge­sell­schaft in der Stadt Alings­ås. In ei­ner drit­ten Ka­te­go­rie wur­den zu­dem jun­ge „Ta­len­te“ der Uni­ver­si­tät Lund ge­wür­digt. Für den 2014 erst­mals aus­ge­lob­ten Preis stellt die SU­EB (Stif­tel­se för ut­veck­ling av ener­gi­ef­fek­tivt byg­gan­de) ein jähr­li­ches Preis­geld von ins­ge­samt et­wa 130.000 Eu­ro (1,2 Mil­lio­nen Kro­nen) zur Ver­fü­gung. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur SU­EB-Stif­tung und zu dem Award be­fin­den sich un­ter: www.aretsframtidsbyggare.se

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