EU-Kommission klagt Österreich wegen Säumigkeit bei Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

12. Juli 2014
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Die EU-Kommission verklagt Österreich (und Polen) vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen der unvollständigen Umsetzung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) in nationales Recht. Gemäß der Richtlinie müsste seit 9. Juli 2012 unter anderem sichergestellt sein, dass bis 01.01.2021 alle neuen Gebäude (alle öffentlichen Gebäude bis 01.01.2019) so genannte “Nearly Zero Energy Buildings” sind.

Zwei Jah­re nach der Um­set­zungs­frist hat kei­nes der bei­den Län­der aus­rei­chend Maß­nah­men in den Be­rei­chen Ver­öf­fent­li­chungs­pflicht von Ener­gie­aus­wei­sen, Min­dest­an­for­de­run­gen an die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz neu­er Ge­bäu­de und Ge­bäu­de­tei­le so­wie der Ent­wick­lung von Nied­rigs­t­ener­gie­ge­bäu­den, wie die deut­sche Über­set­zung für “Ne­ar­ly Ze­ro Ener­gy Buil­ding” ge­nannt wird, voll­stän­dig um­ge­setzt, er­klär­te die Kom­mis­si­on am Don­ners­tag, 10. Ju­li 2014.

Die Kom­mis­si­on schlägt da­her ein täg­li­ches Zwangs­geld von 37.943,10 Eu­ro vor. Die­ses ist aber nur dann zu be­zah­len, wenn ab der Be­stä­ti­gung durch den EuGH die Um­set­zung noch nicht er­folgt ist. Ab die­sem Zeit­punkt wür­den die täg­li­chen Straf­gel­der schla­gend. Der Ge­richts­hof ent­schei­det dann über die end­gül­ti­ge Hö­he EU-Ener­gie­kom­missar Gün­ther Oet­tin­ger er­klär­te, Ener­gie­ef­fi­zi­enz sei wich­tig, um die Ab­hän­gig­keit von Ener­gie­ein­fuh­ren zu ver­rin­gern und die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu stär­ken. Al­le EU-Staa­ten müss­ten die Rechts­vor­schrif­ten er­las­sen, die für ei­ne ra­sche Ein­füh­rung von Ener­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men er­for­der­lich sind. 40 Pro­zent des Ener­gie­ver­brauchs in der EU ent­fie­len auf den Ge­bäu­de­sek­tor, wes­halb dort die größ­ten Ein­spa­run­gen er­zielt wer­den könn­ten, so Oet­tin­ger. Mit der ord­nungs­ge­mä­ßen Um­set­zung und An­wen­dung der Richt­li­nie über die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz von Ge­bäu­den kön­nen die EU-Mit­glied­staa­ten auf kos­te­nef­fi­zi­en­te Wei­se be­deu­ten­de Ener­gie­ein­spa­run­gen er­zie­len und die Treib­h­aus­ga­se­mis­sio­nen in die­sem Be­reich ver­mei­den.

Ge­bäu­de ha­ben Aus­wir­kun­gen auf den lang­fris­ti­gen Ener­gie­ver­brauch. Die Richt­li­nie über die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz von Ge­bäu­den (Richt­li­nie 2010/31/EU) be­grün­det für die Ver­brau­cher und Bür­ger das Recht, über die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz des Ge­bäu­des, das sie kau­fen, mie­ten oder bau­en wol­len, in­for­miert zu wer­den, so­wie das Recht, sach­ge­recht über kos­te­nef­fi­zi­en­te Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz des Ge­bäu­des be­ra­ten zu wer­den.

Die Min­dest­an­for­de­run­gen an die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz wer­den von den Mit­glied­staa­ten in Über­ein­stim­mung mit den we­sent­li­chen An­for­de­run­gen der Richt­li­nie fest­ge­legt. Ih­re Um­set­zung und Durch­set­zung sind für die schritt­wei­se Ver­bes­se­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz des Ge­bäu­de­be­stands wich­tig. Die Ein­füh­rung von Min­dest­an­for­de­run­gen an die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz von Ge­bäu­den soll auch um­welt­freund­li­che Markt­an­rei­ze so­wohl für die Re­no­vie­rung be­ste­hen­der Ge­bäu­de als auch für den Bau von Nied­rigs­t­ener­gie­ge­bäu­den set­zen. Al­so Ge­bäu­de, die auf­grund aus­ge­zeich­ne­ter Däm­mung, der Aus­rich­tung zur Son­ne, ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Hei­zungs- und Lüf­tungs­an­la­gen usw. sehr we­nig Ener­gie ver­brau­chen.

Im Sep­tem­ber 2012 hat­te die Kom­mis­si­on be­reits ein Auf­for­de­rungs­schrei­ben an Ös­ter­reich zur Um­set­zung der Richt­li­nie ge­sandt. Ei­ne mit Grün­den ver­se­he­ne Stel­lung­nah­me folg­te an Ös­ter­reich im Sep­tem­ber 2013. Der­zeit ist die Um­set­zung der Richt­li­nie je­doch noch nicht ab­ge­schlos­sen. Die EU strebt bis 2020 ei­ne Ver­rin­ge­rung des jähr­li­chen Pri­mär­ener­gie­ver­brauchs um 20 Pro­zent an.

 

Nied­rigs­t­ener­gie­ge­bäu­de ist kein „Ne­ar­ly Ze­ro Ener­gy Buil­ding”
Die eng­li­sche Ori­gi­nal­fas­sung der Richt­li­nie über die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz von Ge­bäu­den spricht von “Ne­ar­ly Ze­ro Ener­gy Buil­ding”, was rich­tig über­setzt „Na­he­zu-Null-Ener­gie-Ge­bäu­de“ heißt. Pas­siv­haus Aus­tria for­dert da­her seit lan­gem von den Ös­ter­rei­chi­schen Ver­hand­lern ih­re Mo­gel­pa­ckung mit dem „Nied­rigs­t­ener­gie­ge­bäu­de“ zu be­en­den und ei­ne dem ös­ter­rei­chi­schen Know-how Vor­sprung  und jah­re­lan­gen Spit­zen­po­si­ti­on ad­äqua­te Um­set­zung der Richt­li­nie auf die Rei­he zu brin­gen. Die der­zei­ti­ge Vor­ga­be Ös­ter­reichs sieht näm­lich einen Pri­mär­ener­gie­be­darf (PEB) von 160 kWh/m²BGF (Brut­to­ge­schoss­flä­che) und Jahr ab 2020 vor, was ei­nem Heiz­wär­me­be­darf (HWB) von 45 kWh/m²BGF ent­spre­chen kann. „Ös­ter­reich ver­steht un­ter ei­nem „Na­he­zu Null Ener­gie Ge­bäu­de“ dem­nach ein Ge­bäu­de, wel­ches den dop­pel­ten Pri­mär­ener­gie­be­darf bzw. den sechs­fa­chen Heiz­wär­me­be­darf ei­nes Pas­siv­hau­ses ent­spricht! Das kann doch nicht ernst ge­meint sein“, un­ter­streicht Gün­ter Lang, Lei­ter der Pas­siv­haus Aus­tria, die sehr schwa­che Vor­ga­be des Na­tio­na­len Plans. Viel am­bi­tio­nier­ter set­zen dies zum Bei­spiel Dä­ne­mark, Li­tau­en, Lu­xem­burg, Ir­land oder auch Bel­gi­en um. Dort be­trägt der für 2020 vor­ge­ge­be­ne Pri­mär­ener­gie­be­darf (PEB) zwi­schen 70 und 90 kWh/m²BGF un­ter Mit­be­rück­sich­ti­gung des Haus­haltss­troms wohl­ge­merkt. Ös­ter­reich läuft so Ge­fahr, im Eu­ro­päi­schen Ran­king der Ge­bäu­de­ef­fi­zi­enz sich vom ehe­ma­li­gen Spit­zen­rei­ter ge­ra­de­wegs zum künf­ti­gen Nach­hin­ker ne­ben Zy­pern zu ent­wi­ckeln.

 

Pas­siv­haus ent­spricht sehr gut dem kos­ten­op­ti­ma­len Ener­gie­ni­veau
Wie auch die Stu­die „Ana­ly­se des kos­ten­op­ti­ma­len An­for­de­rungs­ni­ve­aus für Woh­nungs­neu­bau­ten in Vor­arl­berg“ auf­ge­deckt hat, ent­spricht der von Ös­ter­reich der EU vor­ge­leg­te Na­tio­na­le Plan in kei­ner Wei­se die­sen An­for­de­run­gen. Die Kos­ten­op­ti­ma­li­tät ge­mäß EU Vor­ga­be er­gibt sich aus den Ge­samt­kos­ten über die Le­bens­dau­er (Bau­werks- und Pla­nungs­kos­ten, Kos­ten für War­tung und In­stand­hal­tung so­wie Ener­gie).

Das kos­ten­op­ti­ma­le Ener­gie­ni­veau liegt dem­nach auch oh­ne För­de­rung bei Ge­bäu­den, die ener­ge­tisch weit bes­ser sind, als die künf­ti­gen Min­dest­an­for­de­run­gen ge­mäß Na­tio­na­lem Plan. Des­sen Pri­mär­ener­gie­be­darf (PEB) liegt bei 160 kWh/m²BGF und Jahr ab 2020. Da­mit liegt der Wert beim rund Dop­pel­ten ei­nes kos­ten­op­ti­ma­len Ge­bäu­des, so­gar bei sehr mo­de­ra­ten An­nah­men. Für Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser er­wies sich, dass Pas­siv­häu­ser (PEB et­wa 66 bis 82 kWh/m²BGF und Jahr) dem kos­ten­op­ti­ma­len Ge­bäu­de mit ei­nem PEB 77 bis 110 kWh/m²BGF und Jahr sehr gut ent­spre­chen.

 

Gra­fik:
Kos­ten­op­ti­ma­les Ener­gie­ni­veau für den so­zia­len Wohn­bau im Ver­gleich zu den An­for­de­run­gen nach dem Ober­ös­ter­rei­chi­schem Aus­stat­tungs­ka­ta­log. Ba­sie­rend auf der Ana­ly­se des kos­ten­op­ti­ma­len Ener­gie­ni­ve­aus für Woh­nungs­neu­bau­ten in Vor­arl­berg am Bei­spiel für das Kos­ten­op­ti­ma des Ge­samt-Pri­mär­ener­gie­be­darfs ei­nes großen Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses. Quel­le: Platt­form „Nach­hal­tig leist­ba­rer so­zia­ler Wohn­bau in Ober­ös­ter­reich“, Ener­gi­e­in­sti­tut Vor­arl­berg, e7 / 2014, Vi­sua­li­sie­rung: F2 ar­chi­tek­ten

 

Links:
Richt­li­nie über die Ge­sam­t­ener­gie­ef­fi­zi­enz von Ge­bäu­den
Pres­se­mit­tei­lung EU-Kom­mis­si­on
Wis­sens­da­ten­bank zum Pas­siv­haus

 

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